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Heimeinzelspiel

"Ein harter Tag mit zwei Ungedienten" oder auch "Die grosse Disziplinierung" (inzwischen mit Reflexionen der "Schüler")

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Die Westberliner Herren Andreas P.und Jörg K.gaben sich im Monat April des Jahres 2011 die Ehre und trafen sich bereits früh am Morgen des Freitags (dem 15'en, zum Glück kein Dreizehnter) an dem bekannten Tisch im Laden zum Gespräch. Während der Einweisung, die im Wesentlichen aus Verboten bestand, beraten die beiden kurz, ob sie noch mitmachen wollen... Da sie jedoch auf Weisung einer guten Freundin an diesem Freitag kein Aufenthaltsrecht in Berlin/West hatten und ausserdem der Tag ohnehin versaut war, blieben sie also missmutig beim einmal gefassten Plan.

Diese gute Freundin übrigens sass vor einigen Wochen in der Lounge gegenüber, rauchte stillvergnügt vor sich hin und kam später kurz zum Laden, um mich auf den Besuch dieser Herren vorzubereiten. Ziel sollte es sein, aus einem Stück Holz etwas zu machen, was man gebrauchen kann.. Ich konnte ja nicht ahnen, dass an diesem Freitag einfach der Wellnesstermin dieser besagten Dame anstand und daher die Kerle in den Osten zu verschwinden hatten, man kann es deutlich an den Gesichtern sehen :-). (Nun, diese Dame ist herzlich eingeladen, um den Erfolg der pädagogisch aufbereiteten holzveredelnden Massnahmen zu feiern) . Bevor Sie, liebe Leser, nun aber irritiert sind, lesen Sie zunächst die Schlussbemerkung :-))

Schnell wurden die Klötze soweit vorbereitet, dass die Herren selbst Hand anlegen können

Da ich selbst etwas anderes zu tun hatte, organisierte ich die wechselseitige Aufsicht, erster Diensthabender war Jörg

Geht doch, Andreas !

Da ist ein ganzes Stück geschafft, nun übernimmt Andreas die Aufsicht...

...und Jörg muss ran

Ich schaue mir bei der Gelegenheit einmal das Zwischenergebnis des jetzigen AvD (Aufsichtshabenden vom Dienst) an. Damit er nicht zwischendurch in Versuchung gerät, hat er sich selbst Warnhinweise auf seinen Platz gelegt, eine gute Lösung..

Kaum bin ich mal nicht da, albern die Probanden herum, unfassbar !

Zur Strafe wird einem von beiden die Maschinenarbeit verboten und es muss mit der Hand geraspelt werden...

Jedenfalls geht es gerecht zu, beide müssen mal stehen bei der Arbeit, erst Andreas..

...dann Jörg

Dann beurteilte ich das Zwischenergebnis, beide Auszubildende mussten ihre Pfeifen also vorzeigen und etwa eine Stunde halten, um die Hand an die Passform zu gewöhnen. Ich ging solange was essen.

Danach wurde der Handschweiss nass abgeschliffen

Später, nach dem Zwischentrocknen, kommt die Kontrastbeize drauf und wird fixiert.

Und wieder dieses Schleifen, du meine Güte !

Im Dunkeln der Geschichte bleibt das Zwischentrocknen, die eigentliche Farbgebung (orange) und Fixierung sowie Aushärtung, jedenfalls kann irgendwann poliert und fertiggestellt werden.

Da sehen wir nun das Ergebnis: Jörg die Erste

Andreas die Erste

Ein hübsches Paar !

Wie immer wurde dann zur praktischen Überprüfung der Raucheigenschaften in eines underer Klublokale befohlen und mit ganz regulär zu 33,3% gefülltem Tabakloch das Einrauchen begonnen. Das Los entschied und Andreas begann.

Doch die Pfeife von Jörg wartet schon hinter dem Glas

Und nun ist er dran, der Jörg

Es ist klar, dass eine strenge Auswertung erfolgt. Jedenfalls hatte Jörg das bessere Rauchwölkchen beim ersten Anzünden.

Der Abend zieht sich hin, denn die Pfeifen der drei Herren müssen auf eine Temperatur von 32 °C heruntergekühlt werden.

Ich darf für den Samstag ein paar Brötchen mit nach Hause nehmen, wir hatten doch früher nix... :-))

 

 

 

Schlussbemerkung:

Jörg und Andreas sind zwei absolut ausgeglichene, humorvolle Westberliner, die seit 40 Jahren befreundet sind. Wir haben gelegentlich unter dem Tisch gelegen vor Lachen, vor allem wegen der ständigen (allerdings konstruierten) Gegensätze eines Ossi-Ex-Majors mit zwei albernen Wessi-Ungedienten. Ehrlich: Es war ein total lustiger, harmonischer Tag mit diesen beiden Menschen. Trotz aller Alberei wurde konzentriert gearbeitet, so hatten wir alle Drei einen grossen Anteil an dem Erfolg der vielen Stunden, die sich von 9.00 Uhr bis 24.00 Uhr hinzogen. Es war angenehm, neben den eigentlichen Pfeifensachen noch unzählige andere Themen zu berühren, die uns letztendlich näher brachten und in einem schönen "Dell' Arte" - Besuch endeten. Trotzdem - im Zentrum des Tages standen letztendlich zwei Pfeifenfreunde mit ihrem Wunsch, sich ein eigenes Pfeifchen zu bauen. Es wurde ganz ausführlich auf jeden Arbeitsschritt eingegangen, der immer die Prognose hatte, eine individuelle Pfeife anzufertigen, die sich vom ersten Zug an gut raucht. Ehrlich gesagt, glaubten die beiden das zunächst nicht. Während des abendlichen Einrauchens allerdings gaben sie zu, dass die verwendete Technologie aus ganz logischen Gründen eine bessere Sofort-Gebrauchsfähigkeit als auch einen besseren Sofort-Geschmack hervorbringt als bei gewöhnlichen Pfeifen und waren ganz ehrlich begeistert. Ich war ebenfalls guter Laune, denn letztendlich waren es die beiden Freunde selbst, die diesen Erfolg ihrer eigenen Arbeit nun feiern konnten, und so soll es ja auch sein.

Nun, wir verabschiedeten uns herzlich und es wurde beschlossen, die Ausbildung noch 2011 fortzusetzen (da die beiden ja nach dem Rauchtest in eine höhere Klasse versetzt wurden). Fein.

PS: Bitte grüsst die den Kontakt hergestellt habende Dame von mir, ich vermute, dass wir ihr den ersten Denkanstoss verdanken, kommt mal alle vorbei auf ein Käffchen demnächst...

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Freundliche Grüsse sendet

Nils Thomsen

PS: Am Sonntag, dem 17. April 2011, trafen wir uns (nicht) rein zufällig auf dem Trödelmarkt am Fehrbelliner Platz wieder

 

 

 

 

Reflexionen der "Schüler"

Hier der Bericht von Jörg

Wie ein Heimwerker eine Pfeife baut

Nils Thomsen, Pfeifenbauer, ist in Berlin nicht unbekannt. Seinen Laden in Berlin-Treptow kennen wir schon eine ganze Weile. Wir, das sind mein langjähriger Freund Andreas und ich. Ich glaube, dass Nils Pfeifenbauseminare anbietet, wussten wir und der Reiz, seine eigene Tabakspfeife zu bauen, war untergründig da. Jedoch erst als eine gute Freundin, die zufällig bei Nils Thomsen reinschaute, uns kürzlich direkt noch einmal darauf ansprach, fassten wir den Entschluss: "Kaufen kann jeder aber wir bauen uns unsere eigenen Tabakspfeifen."

Also dann auf in den Laden von Nils und Vorgespräch führen. Wir konnten ihn auch davon überzeugen, dass er den Werkstatttag mit uns beiden zusammen verbringt. Üblicherweise sind die Seminare auf Einzelpersonen ausgerichtet, was die einzelnen Arbeitsschritte betrachtet auch verständlich ist. Wir versprachen ihm, dass wir uns nicht streiten werden und uns auch nicht den Pfeifenrohling auf den Kopf hauen werden. Aber Scherz beiseite. Am 15.04.2011 war es soweit. Morgens um 09:00 Uhr begann der Tag und abends so zu 20:00 Uhr sollte die eigene Pfeife fertig sein.

Das Eis zwischen Wessis und Ossi war schnell gebrochen. Der Tag war sehr harmonisch, lustig, ernsthaft im Arbeitsumfeld (muss sein), kurzum ein gelungener Tag. Aber ich möchte hier nicht zu sehr auf unsere zwischenmenschlichen Erfahrungen an diesem Tag eingehen, sondern vielmehr auf das, was ich bei dem Bau der Tabakspfeife erfahren durfte. Die Skepsis, dass am Abend das Werk vollendet sein sollte und eingeraucht werden konnte und zudem auch beim ersten Rauchen schmecken sollte, war schon da. Ich konnte mir das nicht so recht vorstellen.

Im Grunde genommen, aus dem Laienverständnis heraus, ist eine Pfeife ein Stück Holz mit zwei Löchern; ein großes für den Tabak und ein kleines um daran zu ziehen. Gut, es kommt noch ein Mundstück dazu. Das macht die Sache einfacher.
Jedoch müssen die Löcher da erstmal reinkommen. Also da lag am Anfang ein Stück rohes Holz vor mir. Als Block an drei Kanten zurechtgeschnitten und auf der vierten Seite, die auch abschüssig war, mit Rinde versehen. Was jetzt daraus machen? Die Idee entstand beim eingehenden Betrachten des Holzstücks. Ich entschied mich für eine Freehand, nachdem mir Niels einige Möglichkeiten vorgeschlagen hat. Die Arbeiten, die jetzt folgten, Vorsägen zur Formgebung, Bohrungen setzen, Applikationen vorbereiten und anbringen, etc. wurden von Niels ausgeführt, weil die Verletzungsgefahr hierbei nicht unterschätzt werden sollte.

Nachdem diese Arbeiten beendet waren, ging's ans Schleifen. Mit einigem Respekt vor der Schleifmaschine ging ich ans Werk, meiner Pfeife die Form zu geben, die meiner Idee entsprach. Natürlich war ich etwas unbeholfen, denn zum ersten Mal am sich rasant drehenden Schleifblatt das gute Stück entlang zu ziehen. Was weggeschliffen ist, ist weg. Ich wollte mich auch nicht überschätzen, also bat ich Nils, mir doch etwas zu helfen. Nachdem die Formgebung an der Schleifscheibe vollendet war, ging es an den Feinschliff. Der Rohling landete in einem Eimer mit Wasser samt Schleifpapier. Nasses Holz, wie soll das bis zum Abend wieder trocken sein? Aber egal, Feinschliff in Handarbeit mit verschiedenen Schleifpapieren unter Wasser. Schleifen, prüfen der Oberfläche, schleifen, prüfen, solange bis auch Meister Thomsen zustimmend nickte. Was jetzt kam, kann man fast revolutionär nennen. Der Rohling wurde im Umluftofen getrocknet, danach Kontrastbeize aufgetragen, wieder temperiert, dann unter Wasser geschliffen zum Herausarbeiten der Maserung, wieder temperiert, mit Wasserfarbe eingefärbt und fixiert, im Umluftofen temperiert und schlussendlich folgten die Polierarbeiten und das Auftragen der Einrauchpaste.
Bei jeder Pause, das waren die Trockenzeiten im Umluftofen, wurden die davor ausgeführten Arbeitsschritte eingehend besprochen. Für mich waren es alles logische, verständliche und aufeinander abgestimmte Abläufe. Ach ja, das Wässern und Temperieren zieht verschiedene Stoffe, wie zum Beispiel Öle und Fette aus dem Holz und sie wird dadurch auch leichter.

Inzwischen ist es Abend geworden und das gute Stück liegt vor mir. Die Pfeife war genau so, wie ich sie mir vorgestellt hatte und sie war tatsächlich fertig. Ich freute mich wie ein Schneekönig. Das Einrauchen fand dann in entsprechender Umgebung, in einem gemütlichen italienischem Restaurant, statt. Nils hatte Recht. Die Pfeife schmeckte gleich beim ersten Rauchen. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bei Nils Thomsen für diesen interessanten, lehrreichen und sehr harmonischen Tag bedanken. Ich bin froh, seine Bekanntschaft gemacht zu haben und natürlich sehr, sehr stolz auf meine erste eigene Tabakspfeife.

Lieber Nils, ich grüße Dich ganz herzlich und freue mich schon auf den nächsten Kurs bei Dir

Jörg

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Noch ein paar Bilder, welche die beiden selbst geschossen haben ( Nur als Beweis meiner Anwesenheit und wegen der Berechtigung, die Brötchen mitzunehmen :-))) ):

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